Rede im Deutschen Bundestag am Donnerstag, 10.02.2001 (7 min)

Rede als PDF-Dokument zum Download

Rede als Videostream

 

Gestärkt aus der Krise
Der deutsche Mittelstand als Motor für Wachstum, Wohlstand und Innovation

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Im letzten Jahr hatten wir ein Wirtschaftswachstum von 3,6%, in diesem Jahr wird mit einem Wachstum von 2,3% gerechnet.

Die Arbeitslosigkeit ist mit rund 3 Millionen Arbeitslosen so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Die Inflationsrate liegt zwischen 1 und 2 %.

Dieser Dreiklang aus hohem Wirtschaftswachstum, sinkender Arbeitslosigkeit und niedriger Inflationsrate hat dazu geführt, dass wir vom „kranken Mann in Europa“ zur „europäischen Wachstumslokomotive“ geworden sind.

Diese überaus positive Entwicklung hat natürlich Ursachen.

Es sind in erster Linie klein- und mittelständische Unternehmen, die mit Risiko- und Leistungsbereitschaft Wachstum, Wohlstand und Innovation sichern.

Vor meiner Wahl in den Deutschen Bundestag habe ich fast 20 Jahre als mittelständischer Familienunternehmer gearbeitet. Wir betätigen uns im Bereich des Maschinenbaus.

Seit vielen Jahren sind wir es gewohnt, uns dem nationalen und internationalen Wettbewerb zu stellen.

Somit bin ich dem Mittelstand nicht nur verbunden, sondern ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ein Mittelständler fühlt und agiert, welche Erwartungen er hat und welche Dinge für ihn wichtig sind.

Eine oft gestellte Frage ist die, was wohl das wichtigste und wertvollste Gut unseres Unternehmens ist. Da brauche ich nicht lange zu überlegen.

 

 

Der Mensch

Eine der Grundvoraussetzungen für ein mittelständisches Unternehmen sind gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Die besten Anlagen und Maschinen sind wertlos, wenn keine Menschen da sind, um diese zu bedienen.

Aus dieser Erkenntnis heraus ist die Akquisition und vor allem der Erhalt von qualifiziertem Personal eine der wichtigsten Aufgaben, die ein mittelständischer Unternehmer hat.

Gerade vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung muss alles getan werden, um vermehrt leistungsstarke Schulabgänger für eine betriebliche Berufsausbildung zu gewinnen.

Hier hilft der im Oktober letzten Jahres von der Bundesregierung, den Ländern und der Wirtschaft unterzeichnete „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010-2014“.

In diesem Programm wird auch der Tatsache Rechnung getragen, dass es weiterhin viele junge Leute gibt, die Schwierigkeiten beim Übergang in die Ausbildung haben. Es ist wichtig, dass wir hier niemanden zurücklassen.

Und dennoch muss immer wieder betont werden, dass auch und gerade im handwerklichen und industriellen Bereich eine gute Ausbildung und eine gute Qualifikation von herausragender Bedeutung ist.

Ein zentraler Punkt, der gerade in den letzten Tagen wieder vermehrt diskutiert wurde, ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dies trifft insbesondere auf die Frauen zu.

Wir können es uns nicht erlauben, auf hochqualifizierte weibliche Fachkräfte zu verzichten, nur weil keine Möglichkeiten der Familienbetreuung vorhanden sind.

Neben staatlichen Angeboten gibt es in unserer Region bereits etliche Firmen, die sich in diesem Bereich besonders hervortun und durch familiengerechte Angebote ganz neue Facharbeiterschichten für sich erschließen.

 

Für viele Berufstätige sind neben dem Lohn auch gerade diese maßgeschneiderten familiengerechten Jobangebote von zentraler Bedeutung, wenn sie sich für einen Arbeitsplatz entscheiden.

 

Und es wird noch eines deutlich.

In Zukunft werden die Unternehmen immer mehr um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werben und kämpfen.

Viele Mittelständler haben diese Situation erkannt und reagieren entsprechend. Um den eigentlichen Arbeitsplatz herum entstehen vielfältige Angebote, um Mitarbeiter zu finden, zu binden und zu motovieren.

Dies gilt natürlich auch für die älteren Mitarbeiter. Wir  müssen Vorbehalte aufgegeben und mit falschen Vorurteilen aufräumen.

Die Erfahrung dieser Menschen ist unbezahlbar und es bedarf oft nur kleiner Hilfestellungen, damit sie weiterhin aktiv und produktiv am Erwerbsleben teilnehmen können.

Das ist nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch volkswirtschaftlich von hohem Nutzen.

Entscheidend für jedes klein- und mittelständische Unternehmen ist der richtige Mix aus Auszubildenden, alten und jungen Mitarbeitern. Wenn dieser Mix gelingt, dann ist das die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches gemeinsames Wirtschaften.

Ist dieser Mix einmal gefunden, dann wird ein Mittelständler alles tun, um diesen zu erhalten.

Gerade in den Zeiten der Krise haben viele Unternehmer an ihren Mitarbeitern festgehalten, damit im Aufschwung wieder eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung steht.

Auch hier zeigt sich wieder, dass insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen nicht in Quartalsergebnissen denken, sondern in langfristigen Zeiträumen.

Dieses Denken wurde durch die von der Bundesregierung beschlossene Regelung zum Kurzarbeitergeld unterstützt und nur so konnte es mit gemeinsamer Kraft gelingen, dass wir gestärkt aus der Krise herausgekommen sind.

Es zeigt sich, dass Wirtschaftspolitik sich nicht in schönen Worten erschöpft, sondern an der richtigen Stelle ganz konkret helfen kann.

Eine weitere Frage, die oft gestellt wird, ist die, was uns als Mittelständler am meisten beschwert. Da fallen mir spontan gleich zwei Dinge ein.

 

Bürokratie und Energie

Die überbordende Bürokratie ist für jedes Unternehmen eine große Last.

Aber gerade die klein- und mittelständischen Betriebe leiden besonders. Hier fehlt es oft ganz einfach an Personal und know how, um dem geforderten Abgabe- und Informationspflichten gerecht zu werden.

Hier ist nicht nur der Deutsche Bundestag aufgefordert, den Bürokratie-Aufwand deutlich zu reduzieren. Der Normenkontrollrat macht in unserem Parlament eine gute Arbeit und bekommt zunehmend mehr Aufgabenstellungen zugewiesen.

Eckhard von Klaeden beschreibt die Situation treffend, wenn er formuliert, dass es mit den Bürokratiekosten so sei wie mit den Zahnschmerzen. Wenn du sie hast, bringen sie dich fast um; wenn sie weg sind, hast du sie auch schnell vergessen.

Dennoch ist nicht nur der gefühlte, sondern auch der tatsächliche Bürokratieaufwand enorm.

Diese Hemmnisse müssen nicht nur auf deutscher sondern auch auf europäischer Ebene konsequent abgebaut werden.

Die Unternehmen brauchen Luft zum Atmen und Raum für Engagement und Eigeninitiative.

 

Auch das Thema Energie steht ganz oben auf der Agenda.

 

Bei allem Streben nach einer Zukunft mit ausschließlich regenerativer Energieversorgung darf die damit einhergehende immense Kostenbelastung der Unternehmen nicht vergessen werden.

Es sind gerade die klein- und mittelständischen Unternehmen, die standorttreu und standortgebunden sind. Die Energiekosten sind für sie ein Fixum, da sie in der Regel nicht die Möglichkeiten haben, auszuweichen und ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern.

Zur Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist es deshalb wichtig, Energiepolitik nicht ideologisch, sondern ökonomisch und sachorientiert zu betreiben.

Die Bezahlbarkeit und die Sicherheit der Energieversorgung ist normative Voraussetzung für die Existenz eines Betriebes.

Die kumulierte Belastung aus Strompreis, Stromsteuer, EEG-Abgaben, Emissionshandel etc. darf die Unternehmen nicht erdrücken und ihrer Wettbewerbsfähigkeit berauben.

 

Es gibt viele weitere Themen, die den Mittelstand berühren.

Seien es die Fragen nach der Unternehmensnachfolge, der Finanzierung, der F+E Möglichkeiten, der Rohstoffsicherheit, der Existenzgründungen usw.

Viele dieser Fragestellungen sind in der christlich-liberalen Koalition richtig erkannt.

Zahlreiche Aktivitäten wie die

- „Hightech Strategie 2020 für Deutschland“, der
- „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010-2014“, die
- Mittelstands-Initiative „Auf den Mittelstand setzen, Verantwortung stärken – Freiräume erweitern“

sind mehr als nur Schritte in die richtige Richtung.

Der Mittelstand ist das Herzstück unseres Wirtschaftssystems.

 

Wir müssen weiter daran arbeiten, eine effizienten Ordnungs- und Handlungsrahmen zu schaffen, in dem dieses Herzstück seine optimale Leistung erreichen kann.

 

Während andere Parteien in diesem Hause kommunistischen und sozialistischen Ideologien nachjagen, sind wir bereit, uns den Realitäten zu stellen und auf den  Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft eine sachorientierte und zweckgebundene Wirtschaftspolitik zu betreiben.

 

Das ist gut für die Unternehmen und das ist gut für die Menschen in unserem Land.

 
Impressum | Sitemap | Seite empfehlen