Jasper: Hilfe darf nicht aus Kostengründen versagt werden
Quelle: www.wn-online.de, Frank Klausmeyer
Bundestagsabgeordneter kritisiert Bürgermeister
Westerkappeln - Als „in keiner Weise akzeptabel“ bezeichnet der hiesige Bundestagsabgeordnete Dieter Jasper (CDU) die Kritik von Bürgermeister Ullrich Hockenbrink am Jugendamt des Kreises. Hockenbrink hatte im Zuge seiner Stellungnahme zum Haushaltsentwurf 2012 unter anderem die hohen Kosten für die Heimunterbringungen von Jugendlichen kritisiert.
Die von Hockenbrink getätigten Aussagen, er habe das Gefühl, dass die Mitarbeiter des Jugendamtes im Kreis Steinfurt jede Menge Kevins sähen und er, Hockenbrink, glaube, dass sich die Mitarbeiter des Jugendamtes ihre Arbeit manchmal durchaus auf Kosten der Städte und Gemeinden leicht machten, führten zu der Schlussfolgerung, dass das Jugendamt in der Vergangenheit schludrig gearbeitet habe. „Bei allem Verständnis für die nicht nur in Westerkappeln angespannte kommunale Finanzlage sind die getätigten Aussagen und Ansichten so in keiner Weise akzeptabel. In meiner Funktion als gewählter Bundestagsabgeordneter dieser Region möchte ich der von Herrn Hockenbrink vorgenommenen Einschätzung deutlich widersprechen“, erklärt Jasper.
Die Jugendamtsumlage sei keine rein statistische Größe. „Dahinter verbergen sich menschliche Schicksale; Kindern und Jugendlichen soll Schutz und Fürsorge vermittelt werden“, so der Bundestagsabgeordnete. In Bremen habe ein zweijähriger Junge namens Kevin sterben müssen, weil unter anderem das zuständige Jugendamt erst zu spät und dann nicht hinreichend eingegriffen hätte. Wenn nun Jugendämter, auch aus dieser schrecklichen Erfahrung heraus, frühzeitiger und entschlossener agierten, dann diene das in erster Linie dem Schutz der betroffenen Kinder und Jugendlichen. „Vor dem extremen Endpunkt des Todes eines Kindes durch Misshandlung stehen unzählige und unfassbare Grausamkeiten und Demütigungen. Jeder Tag, der hier ohne Reaktion der zuständigen Behörde bleibt, bedeutet 24 weitere Stunden gekennzeichnet durch Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung oder Missbrauch“, meint Jasper.
Hier müsse in erster Linie an das Wohl der schutzbedürftigen Kinder und Jugendlichen gedacht werden, die sich selber nicht wehren könnten und die niemanden hätten, der sich für ihre Rechte einsetzt und ihre Unversehrtheit verteidigt.
„Als christdemokratischer Politiker und als Mensch möchte ich mich ausdrücklich dafür einsetzen, dass den betroffenen Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich Schutz und Hilfe angeboten wird. Es kann und darf nicht sein, dass hier aus Kostengründen Hilfe versagt wird, weil der Grad der Demütigung vielleicht noch nicht groß genug ist oder die Misshandlungen noch nicht grausam genug waren“, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete.
Natürlich sehe auch er die immensen Kostenbelastungen, die durch diese Schutz- und Rettungsmaßnahmen entstünden. Hier müsse mit den beteiligten Fachleuten über notwendige Qualitätsstandards, alternative Unterbringungsformen und dergleichen diskutiert werden, damit die entstehenden Kosten tragbar blieben. „Die schlichte Forderung, einfach weniger Heimplätze zu besetzen und so die Kosten zurückzuführen, geht an der oft traurigen Realität vollkommen vorbei“, Betont Jasper.
Wegschauen, aus Kostengründen Hilfe und Schutz verweigern und somit Leib und Leben von Kindern und Jugendlichen wissentlich gefährden - „das kann und darf nicht sein“, erklärt Jasper. Und weiter: „Wer will und kann die Verantwortung dafür übernehmen, wenn in unserer Heimatregion morgen ein kleiner Mensch namens Kevin übersehen wird?“
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Dieter Jasper MdB