Umfrage unter Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Steinfurt

Quelle: www.wn-online.de

Viel Kritik, wenig Verständnis

Berlin/Kreis Steinfurt - Eine Frage, sechs Antworten - das ist das Prinzip unserer Kurz-Umfrage unter den Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Steinfurt. Immer wenn es aktuelle bundespolitische Streitthemen gibt, die die Menschen im Wahlkreis bewegen, bitten wir die sechs Abgeordneten um eine kurze Stellungnahmen. Diesmal ging es, wen wunderts, um Bundespräsident Christian Wulff.


„Kein Tag vergeht ohne neue Vorwürfe. Jetzt soll er sogar versucht haben, Journalisten unter Druck zu setzen. Wie bewerten Sie die Affäre? Sind es die Medien, die übertriebene Kritik üben? Hat Wulff sich tatsächlich falsch verhalten und tut es immer noch? Hat er noch ihr Vertrauen? Oder sollte er zurücktreten?“ fragten wir. Hier die diesmal ungekürzten Antworten:


Dieter Jasper, CDU: „In der Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten habe ich mit Überzeugung meine Stimme für Christian Wulff abgegeben. Meines Erachtens hat er unser Land seitdem nach innen und nach außen hervorragend vertreten. Seine ruhige und sachliche Art habe ich immer als einen Stabilitätsanker in unserer schnelllebigen Zeit empfunden. Die erhobenen Vorwürfe sind, soweit noch nicht geschehen, von ihm aufzuklären. Ich unterstütze ihn und seine Arbeit weiterhin und würde mich freuen, wenn er seine Kraft auch zukünftig als Bundespräsident für unser Land einsetzt.“
Claudia Bögel, FDP: „In einer medialen Welt, wie der unseren, kann man nicht abgeschottet leben. Im übrigen gilt Gott lob unsere Pressefreiheit! Gerade in einer so exponierten Stellung, wie die des Bundespräsidenten, muss man in besonderer Weise handeln, da man ja auch eine Vorbildfunktion hat. Das gehört sich so. Alles andere ist unanständig und verfährt nach dem Motto: Wasser predigen und Wein trinken!. Ich finde es unerträglich, dass sich die Sache nun schon mehrere Wochen hinzieht. Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme und führt in der Bevölkerung zur Verunsicherung. Ich würde mir wünschen, das Christian Wulff Stellung zu den Dingen nimmt und die Sache damit beendet wird. Wir haben dringendere Aufgaben zu erledigen.“

Jens Spahn, CDU: „Es gab ein Missverhältnis auf beiden Seiten, beim Präsidenten und bei den Medien. Wir sollten es nun gut sein lassen und uns um wichtige Dinge für Deutschland kümmern.“

Karl Schiewerling, CDU: „Die Umstände des Privatkredits für den Hauskauf des damaligen Ministerpräsidenten Wulff erachte ich als ungeschickt. Fehler hat jedoch Bundespräsident Wulff gemacht, wie er dieses Thema kommuniziert hat. Ich setze darauf, dass er diese Fehler wieder korrigiert. Seine Kommunikation, aber auch Intensität und Art der Medienberichterstattung sind insgesamt nicht zuträglich für das Amt des Bundespräsidenten.“

Ingrid Arndt-Brauer, SPD: „Mein Bundespräsident ist er nicht - ich habe ihn nicht gewählt. Ich muss sagen, ich bin schon sehr entsetzt. Wenn das stimmt, was in den Medien über seine Telefonate mit Verantwortlichen des Springer-Konzerns berichtet wird, dann ist Herr Wulff schon sehr beschädigt - nicht das Amt, aber er persönlich. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, da sollte keiner, auch nicht der Bundespräsident, Einfluss drauf nehmen. Wenn er die Vorwürfe nicht widerlegen kann, dann ist es schon extrem schwierig für ihn. Ob er zurücktreten sollte? Das muss er selber wissen. Ich hoffe, dass er das Gespür dafür hat und den richtigen Moment findet.“

Kathrin Vogler, Linke: „Ich finde, Christian Wulff hat lange genug gemauschelt: die Urlaube bei Unternehmerfreunden, die Ungereimtheiten bei seinem Hauskredit, jetzt auch noch Berichte darüber, dass er die Arbeit der Presse behindern wollte. Schade, denn seine Position zur Integration hat mir gut gefallen. Der eigentliche Skandal ist aber die Verfilzung von Politik und Wirtschaft, die man am Fall Wulff beispielhaft sehen kann und der Mangel an Unrechtsbewusstsein, wenn es um mögliche Abhängigkeiten geht.


 
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