Bürger entdecken Berlin – Eine Zeitreise

 

 Zum Download klicken!

Eine Bürgergruppe aus Hopsten, Hörstel und Recke besuchte auf Einladung von MdB Dieter Jasper die Hauptstadt Berlin. Für die politisch Interessierten aus dem Kreis Steinfurt stand ein abwechslungsreiches Programm auf der Tagesordnung, das den WM-Feierlichkeiten und dem schönen Wetter durchaus Konkurrenz machte. 

Erste Begegnung mit der Geschichte des geteilten Deutschlands fand in der als Stasi-Museum bekannten Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße statt, wo einst Erich Mielke residierte. Besonders beeindruckend war, an diesem historischen Ort, der Bericht des Zeitzeugen Lutz Pupke über die SED-Diktatur und die Methoden des berüchtigten Ministeriums für Staatssicherheit. Die im Originalzustand erhaltenen Amtsräume des MfS und die zahlreichen Gegenstände wie z. B. versteckte Fotoapparate und Mikrophonen überzeugten die Besucher von der erdrückenden allgegenwärtigen Bespitzelung der DDR-Bevölkerung. In der anschließenden belebten Diskussion bekräftigte Herr Pupke die enorme Bedeutung der Gedenkstätte in ihrem aktuellen Konzept, als Impuls zur kritischen Auseinandersetzung mit dem politischen System und der Geschichte der DDR. Alle Beteiligten waren davon überzeugt, dass die Gedenkstätte einen wichtigen Beitrag zur Aufklärungsarbeit und zur Diskussion über Bedrohungen für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit leistet.

 

Nach dem Ausflug in die Geschichte führte das Programm zurück in die Gegenwart, zunächst zum Informationsgespräch beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und anschließend zum Deutschen Bundestag, wo die Gruppe von MdB Dieter Jasper zur Diskussion empfangen wurde. Dieser erzählte detailliert über die Arbeit in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen sowie über die Zusammenarbeit der christlich-liberalen Koalition in Berlin. Die Reisenden interessierten sich insbesondere für die gerade durchgeführte Bundespräsidentenwahl und Dieter Jasper wusste über die Spannung in den Fraktionssitzungen zwischen den Wahlgängen zu berichten.

 

Bewegend war, am nächsten Tag, ein Rundgang auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge im Centrum Judaicum an der Oranienburger Straße. Das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde war bis zu seiner Zerstörung durch Bomben im 2. Weltkrieg das Größte seiner Art in Deutschland. Anlaufstelle für emigrierte Juden aus Osteuropa und gleichzeitig Bett-, Lehr- und Lernstätte der Berliner Gemeinde, besaß es als einziges jüdisches Gotteshaus in Deutschland eine Orgel. Für die Reisenden aus dem Kreis Steinfurt ein klares Zeugnis der Assimilation der jüdischen Gemeinde.

 

Geschichtsträchtig und ebenso eindringlich war der Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Auch hier ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte, bei dem die die ganze Härte des Mauerregimes im Alltag, mit der Zerstörung von ganzen Straßenzügen und der Trennung von Familienangehörigen, erkennbar ist und begreiflich wird. Im Angesicht der Grenzanlage mit Ihren Absperrungen und mit dem Wachturm kamen bei manch einem Hopstener oder Recker Erinnerungen an negativen Erfahrungen mit dem Grenzübertritt, in Zeiten vor dem Mauerfall, hoch. Alle waren sich darüber einig, dass der Trend zur „Ostalgie“, als positive Wertung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in der DDR, fehl am Platz ist. Nichts desto trotz erkannten die Besucher, dass dieser Ort zugleich Erinnerungsort für die friedliche Überwindung der Teilung ist. Denn hier wurden in der Nacht vom 10. zum 11. November 1989 die Ersten Segmente der Mauer gebrochen.

Nach diesen Stationen durch die bewegte und bewegende Geschichte Berlins und Deutschlands fanden die Reisenden doch etwas Zeit und Muße, durch die vom Fußballfieber ergriffene Hauptstadt spazieren zu gehen, bevor man am nächsten Tag, nach einem Halt beim Museum für Film und Fernsehen, mit zahlreichen neuen Eindrücken und Erkenntnissen in Richtung Heimat zurückfuhr.

 
Impressum | Sitemap | Seite empfehlen