Christian Worpenberg

Mein Praktikum im Deutschen Bundestag

Christian Worpenberg

Christian Worpenberg

Voll Energie in Berlin

Mit großen Erwartungen fuhr Christian Worpenberg aus Lengerich nach Berlin, wo er für die letzte Juniwoche ein Praktikum im Büro „seines“ Bundestagsabgeordneten Dieter Jasper ergattert hatte. Was würde ihn wohl erwarten? Es war schon einige Zeit vergangen sei seinem Anruf nach Berlin und seit er seine Bewerbung dort hin geschickt hatte. Nicht alle seine Freunde waren von seiner Idee begeistert gewesen sich Politik mal live anzusehen „…und dann auch noch bei einem „CDU-Abgeordneten!“. Aber er hatte seinen Entschluss gefasst und sich nicht beirren lassen, außerdem hatte  sich Dieter Jasper sehr freundlich mit ihm unterhalten, ihm ohne zu zögern zugesagt und ihm eine interessante Woche in Berlin in Aussicht gestellt.

Endlich fuhr er im Berliner Hauptbahnhof ein - ein beeindruckendes Gebäude und schon das eine Reise wert. Ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin des Büros hatte ihm für den nächsten Tag schon einen Termin angekündigt – eine „öffentliche Anhörung“. Was das wohl sein mochte und ob das wohl spannend war? Na, mal sehen. Aber vorher musste er erst einmal in das Büro „Unter den Linden 71“, gehen, die zwei Mitarbeiterinnen vom Chef begrüßen, die übrigens sehr nett waren und ihm eine Menge interessante Dinge erzählten – man konnte sich kaum alles auf einmal merken. Er bekam einen Plastikausweis, und war jetzt irgendwie doch schon fast so etwas wie ein richtiger Mitarbeiter im Büro von Dieter Jasper. Einen eigenen Schreibtisch und einen Laptop zum Arbeiten bekam er auch. Sehr nobel.

Christian erfuhr, dass ausgerechnet diese Woche, in der er im Bundestag war, eine der wichtigsten Sitzungswochen des Bundestages in diesem Jahr war, denn es sollte die sog. „Energiewende“ eingeläutet werden. Das war auch das Thema der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie. Gemeinsam mit Dieter Jasper, selbst ein Mitglied dieses Ausschusses, konnte er zuhören, wie Sachverständige aus allen möglichen Bereichen der Energiewirtschaft ihr Für und Wider darlegten und Fragen stellten, die dann wiederum von anderen Sachverständigen beantwortet wurden – und das stundenlang. Ziemlich anstrengend das ganze.

Den ganzen nächsten Tag verbrachte er an „seinem“ Schreibtisch und konnte so erleben, wie das hektische Leben in einem Abgeordnetenbüro während einer Sitzungswoche tobt. Ständig klingelte das Telefon, hunderte von Emails mussten, gelesen, aussortiert oder beantwortet werden, alles natürlich in ständiger Abstimmung mit dem Chef, dem Abgeordneten. Anrufern wurde zugehört, Anliegen notiert, informiert, getröstet oder weitergeholfen. Unmengen von Post wurden gesichtet, Wichtiges von Unwichtigem getrennt und weiterbearbeitet. „Toll fand ich, dass ich, trotz des Bergs an Arbeit, immer einbezogen wurde und nicht nur einfach an den Kopierer wegdelegiert wurde. Meine Fragen wurden immer aufmerksam beantwortet und ich konnte so einiges über das Funktionieren der Strukturen am Bundestag dazulernen“. Zum Beispiel am Mittwoch seiner Praktikumswoche, da konnte er den ganzen Vormittag an einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses teilnehmen, bekam einen Einblick in den Bereich des Parlamentsfernsehens und konnte zu guter Letzt auch noch von der Besuchertribüne aus eine sogenannte „aktuelle Stunde“ verfolgen, die den Abgeordneten, die nach einer vorherigen Fragestunde, in der die Regierung vom Parlament befragt wird, noch Diskussionsbedarf haben, Gelegenheit zur weiteren Aussprache gibt.

Am Donnerstag, dem Tag an dem immer von morgens bis spät abends Plenardebatten stattfinden, konnte Christian die wichtige Debatte zum Atomausstieg auch wieder von der Besuchertribüne aus mit verfolgen. Wer soll die ganze Energie produzieren, die wir benötigen? Reicht der Einsatz Erneuerbarer Energie dazu aus, um die Energie aus Atomstrom zu ersetzen? Um diese Fragen wurde heftig debattiert, teilweise ging es dabei sehr emotional und laut zu. Christian konnte hautnah miterleben, wie schwer es ist, Demokratie in der Praxis wirklich „zu leben“. Das Sahnehäubchen des Tages, so befand er, war für ihn aber eindeutig, im Gang vor dem Plenarsaal leibhaftig der Bundeskanzlerin zu begegnen und ganz nah an zahlreichen anderen Promis vorbeizugehen, die man sonst immer nur im Fernsehen sieht.

Der Abend wurde gekrönt durch einen Besuch des Senders n-tv, wo er im Publikum einer Sendung sitzen durfte und die Produktion einer Sendung miterleben konnte.

Am Freitag, seinem letzten Tag in Berlin, gab es noch den Besuch des Bundesrates, eines mächtigen Gebäudes in der Nähe des Bundesfinanzministeriums. Er erfuhr etwas über dessen Funktionsweise und welche Rolle der Bundesrat bei der Gesetzgebung spielt und dass gegenwärtig erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau Präsidentin des Bundesrates ist.

Die Zeit war wahrhaftig wie im Fluge vergangen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedete sich Stephan von seinen beiden „Mitarbeiterinnen“ im Bundestagsbüro von Dieter Jasper, die ihn die ganze Zeit so herzlich betreut hatten. Sogar an ein Blumensträußchen für beide hatte er gedacht. Diese Woche hatte viel Energie von ihm gefordert, er hatte aber auch gelernt, wie viel Energie von der Politik darauf verwendet werden muss, um die Wege durchzusetzen, auf denen in Deutschland Energie produziert werden soll.

 
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